Die Entdeckung meiner Linkshändigkeit
Frühlingserwachen… und das Verrückte ist: Bei mir hat das letztes Jahr im Sommer angefangen.
Ganz plötzlich. Innerhalb von ein, zwei Wochen hat sich mein Leben einmal auf links gedreht – im wahrsten Sinne. Und seitdem hört es nicht auf. Es wird jeden Tag ein bisschen anders. Ein bisschen echter.
Ich erzähl dir mal, wie das angefangen hat.
Der Moment im Garten
Ich lebe mit meiner Freundin in der Nähe von Bad Pyrmont, wir bauen zusammen Gemüse an, ziemlich bodenständig, viel Handarbeit. Letzten Sommer stand ich im Garten und habe Kompost bzw. Mist umgesetzt. Schaufel in der Hand, wie immer.
Und dann kam so ein Impuls:
„Mach’s doch mal andersrum.“
Also nicht rechte Hand führend, sondern links.
Ich setze die Schaufel an… und plötzlich:
alles entspannt sich.
Einfach so.
Meine rechte Körperseite, die mich mein ganzes Leben begleitet hat mit irgendwelchen Themen – Wade, Knie, Hüfte, Schulter – auf einmal ruhig. Leicht. Frei.
Ich stand da und dachte nur:
Was ist denn jetzt los?
Ein Körper, der plötzlich „Ja“ sagt
Ich hatte über Jahre immer wieder Schmerzen. Diagnosen, die sich später als… naja, sagen wir mal: nicht wirklich stimmig herausgestellt haben.
Und dann dieser eine Moment im Garten – und mein Körper sagt plötzlich „Ja“.
Nicht im Kopf. Nicht logisch. Einfach im Spüren.
Das hat mich neugierig gemacht.
Die Gitarre – und ein erstes inneres Aufbrechen
Später zuhause nehme ich meine Gitarre. Ich spiele nicht gut, eher so zum Rumprobieren.
Und dann drehe ich sie einfach um.
Spiele andersrum.
Die Töne passen nicht. Alles ist „falsch“.
Und trotzdem: Es klingt… wunderschön.
Nicht technisch. Nicht perfekt.
Aber irgendwie berührend. Tief.
Und innerlich passiert gleichzeitig etwas. Schwer zu beschreiben.
Als würde etwas anfangen, sich zu erinnern.
Das Gespräch mit meinem Vater
Ich rufe meinen Vater an und frage einfach:
„Sag mal… war da früher was mit Linkshändigkeit bei mir?“
Und er sagt:
„Ja. Da gab es Probleme. Wir haben dir geraten, alles mit rechts zu machen.“
Bamm.
Da war plötzlich dieser Moment:
Eine Tür geht auf. Und dahinter ist… viel.
„Umschulung“ – ein Wort, das alles verändert
Ich hatte den Begriff vorher nie gehört:
umgeschulter Linkshänder
Ich habe angefangen zu recherchieren. Bücher gelesen, Berichte. Und überall war dieses eine Gefühl:
Inneres Drama.
Abgeschnitten sein.
Nicht ganz da sein.
Und ich dachte:
Krass. Das bin ich.
40 Jahre gegen mich gearbeitet
Wenn das stimmt, dann habe ich über Jahrzehnte gegen meine natürliche Anlage gelebt.
Nicht bewusst.
Aber konstant.
Und plötzlich ergibt so vieles Sinn:
- die körperlichen Themen
- dieses innere Getriebensein
- nie wirklich „angekommen“ sein
- immer irgendwie am Rödeln
Nicht unbedingt sichtbar im Außen.
Aber innen… dauerhaft Druck.
Der Anfang der Rückschulung
Ich habe einfach angefangen.
Ganz simpel.
Gemalt.
Mit Wachsmalstiften von unseren Kindern.
Links.
Und da war zum ersten Mal dieses Gefühl:
Es geht nicht um das Ergebnis.
Es fühlt sich einfach schön an.
Das war neu für mich.
Richtig neu.
Werkzeuge, die plötzlich passen
Mit der Zeit habe ich gemerkt, wie fein das alles ist.
Schreiben, schneiden, greifen…
Wenn die Hand „stimmt“, verändert sich der ganze Körper.
Selbst bei Messern – die ziehen plötzlich anders. Oder eben nicht mehr.
Das sind keine großen Dinge.
Aber sie wirken tief.
Und dann kam noch etwas dazu…
Ich hätte früher nicht gedacht, dass ich das mal so schreibe, aber:
Mit dieser Veränderung kam auch wieder so etwas wie…
Verbindung.
Man kann es „Gott“ nennen. Oder Leben. Oder einfach das Ganze.
Früher hatte ich ein ziemlich schräges Bild davon.
Irgendwer da oben, getrennt von mir.
Heute fühlt es sich eher so an:
Alles ist verbunden.
Ich bin Teil davon.
Und – das ist vielleicht das Entscheidende –
ich spüre das wieder mehr.
Wut, Verständnis… und etwas wie Frieden
Natürlich kam auch Wut hoch.
Auf meine Eltern.
Auf das, was da passiert ist.
Wir haben darüber gesprochen. Und ich sehe heute auch:
Sie haben aus ihren eigenen Überzeugungen gehandelt.
So wie ich auch lange aus meinen gehandelt habe.
Und irgendwann kam ein anderer Blick dazu:
Vielleicht war das alles Teil des Weges.
Nicht im Sinne von „musste so sein“.
Aber im Sinne von: Jetzt ist es da – und ich kann damit gehen.
Ein neues Leben (wirklich)
Seit diesem Sommer hat sich so viel verändert.
Mehr Ruhe.
Mehr Weichheit.
Weniger innerer Kampf.
Der ist nicht komplett weg – klar, nach 40 Jahren.
Aber er ist nicht mehr alles bestimmend.
Ich entdecke Dinge neu:
- Tanzen (mit der linken Seite führen fühlt sich… so angenehm an)
- Natur wirklich wahrnehmen
- einfach da sein
Und ich lasse es langsam wachsen.
Nicht mehr dieses:
„Ich muss das jetzt sofort komplett umstellen.“
Sondern eher:
Mal schauen, was sich zeigt.
Wenn du das hier liest…
Vielleicht kennst du das ja in irgendeiner Form.
Dieses Gefühl von:
Nicht ganz verbunden sein.
Irgendwie neben sich stehen.
Ich will hier gar nichts behaupten oder erklären.
Ich erzähle einfach meine Erfahrung.
Und vielleicht hilft sie dir, auf etwas in dir aufmerksam zu werden.
Begleitung bei deinen Themen
Wenn dich diese Themen berühren und du dir Begleitung auf deinem eigenen Weg wünschst, kannst du dich gern bei mir melden. Ich unterstütze Menschen dabei, wieder in Verbindung mit sich selbst zu kommen und ihren eigenen inneren Weg klarer zu sehen.
Zum Schluss
Das hier ist der Anfang.
Ich werde weiter darüber schreiben und sprechen, weil ich merke, wie viel sich da bewegt – und wie gut es tut, das zu teilen.
Wenn du magst, schreib mir gerne.
Deine Gedanken, deine Erfahrungen.
Mich hat der Austausch unglaublich weitergebracht.
Und vielleicht ist genau das auch ein Teil davon:
dass wir uns wieder ein Stück mehr verbinden.
Mit uns selbst.
Und miteinander.
Bis bald.
Jens