Ich möchte euch ein ehrliches Resümee geben nach etwas über drei Jahren mit unserem Garten ohne Umgraben. Also wirklich aus der Praxis, nicht aus Büchern.
Wir bewirtschaften hier ungefähr 1500 Quadratmeter und versorgen damit so grob 45 bis 65 Erntenanteile, je nachdem wie viel Gemüse jemand isst. Das passt ganz gut, ist aber natürlich nicht exakt.
Wie alles angefangen hat
Am Anfang standen wir vor der klassischen Frage. Machen wir es „normal“, also pflügen, fräsen, Maschinen einsetzen, oder probieren wir etwas anderes.
Wir sind dann auf das Thema No Dig gestoßen, also nicht umgraben, sondern mit Kompost arbeiten. Und ehrlich gesagt bin ich heute ziemlich froh darüber, dass wir genau diesen Weg gegangen sind.
Unser Start mit Kompost
Die Fläche hier war vorher einfach Wiese. Wir haben dann etwa 15 cm Kompost oben drauf gemacht. Das klingt erstmal viel, ist aber wichtig, damit das Gras darunter wirklich abgedeckt ist und nicht direkt wieder durchkommt.
Mit der Zeit sackt das Ganze auch zusammen, wird dünner, verrottet weiter. Und dann haben wir einfach angefangen zu pflanzen.
Erste Erfahrungen im ersten Jahr
Bei vorgezogenen Pflanzen ging das ziemlich gut. Loch rein, Pflanze rein, fertig. Die Wurzeln sind recht schnell durch den Kompost durch in den eigentlichen Boden gewachsen und konnten sich da versorgen.
Bei Direktsaat war es teilweise etwas schwieriger. Zum Beispiel Spinat. Der ist zwar gekeimt, wurde dann aber schnell hell und ist eingegangen, vermutlich weil der Kompost noch zu frisch war. Nach ein paar Monaten ging das dann aber auch deutlich besser.
Funktioniert nicht nur auf Wiese
Wir haben das gleiche Prinzip auch in einem kleineren Garten ausprobiert, so etwa 200 Quadratmeter, eher klassischer Gartenboden.
Da haben wir dann nur etwa 10 cm Kompost genommen, weil dort nicht dieses starke Grasproblem war. Hat auch gut funktioniert.
Der wichtigste Unterschied
Was für mich der größte Unterschied ist, wir graben nicht um. Das ist eigentlich der Kern von allem.
Der Boden bleibt in Ruhe, wir drehen ihn nicht ständig auf links wie beim Pflügen. Und wenn man sich das einmal bewusst macht, da unten leben Millionen von kleinen Lebewesen, die den Boden aufbauen, strukturieren und ernähren. Wenn man das ständig durchmischt, bringt man da ziemlich viel durcheinander.
So lassen wir das einfach laufen, im Prinzip wie im Wald. Da fällt auch jedes Jahr etwas oben drauf und verrottet.
Unser System heute
Wir bringen jedes Jahr im Winter ungefähr 1 bis 2 cm Kompost auf. Das reicht bisher völlig.
Wir haben eigene Komposter, sammeln alles an Pflanzenmaterial, mischen es mit Hackschnitzeln, setzen es um und bringen es dann wieder aus. Sehr simpel eigentlich.
Arbeiten im Garten
Was ich richtig angenehm finde, der Boden ist nie so richtig matschig. Auch nach Regen kann man gut drauf gehen, man kann arbeiten, ohne dass alles an den Schuhen klebt.
Wenn irgendwo der ursprüngliche Boden durchkommt, merkt man sofort den Unterschied. Das wird dann schnell schmierig und unangenehm. Mit Kompost oben drauf ist das einfach viel entspannter.
Unkraut in der Praxis
Ganz ehrlich, komplett weg ist es nicht. Vor allem bei uns die Ackerwinde, die ist hartnäckig.
Aber der Druck ist über die Jahre deutlich weniger geworden. Man muss trotzdem regelmäßig ran, mehrmals die Woche ein bisschen hacken und rausziehen. Am Anfang haben wir das noch gebückt mit der Schaufel gemacht, mittlerweile geht das entspannt im Stehen mit der Hacke.
Wege im Garten
Bei den Wegen habe ich ein bisschen rumprobiert. Erst mit Hackschnitzeln, das funktioniert grundsätzlich, aber bei Wind und starkem Regen verteilt sich das überall in die Beete. Ist nicht dramatisch, aber irgendwie nervig.
Im anderen Garten habe ich dann einfach überall Kompost gemacht und die Wege platt getreten. Ganz simpel. Und das gefällt mir deutlich besser. Man kann gut gehen, nichts wandert in die Beete und man braucht kein Extra-Material.
Wenn jemand anfängt, würde ich eher das empfehlen.
Randbereiche im Blick behalten
Was ich am Anfang unterschätzt habe, der Rasen außen wächst nicht nur nach oben, sondern auch seitlich in die Beete rein.
Das heißt, man muss die Ränder im Blick behalten und regelmäßig zurückdrängen, sonst holt sich die Wiese Stück für Stück die Fläche zurück.
Wachstum und Ertrag
Vom Wachstum her ist es sehr gut. Ich würde aber nicht sagen, dass es automatisch mehr ist als bei klassischen Methoden.
Meine Eltern und Großeltern haben auch umgegraben und hatten genug zu essen. Der Unterschied liegt für mich eher woanders.
Geschmack
Der Geschmack ist deutlich intensiver. Schwer zu beschreiben, aber jeder, der schon mal selbst angebaut hat, kennt das wahrscheinlich.
Wasser im Boden
Ein riesiger Vorteil ist für mich die Feuchtigkeit im Boden. Der Kompost speichert Wasser deutlich besser als nackte Erde.
Oben kann es trocken sein, aber ein paar Zentimeter darunter ist es noch feucht. Das spart Gießen und ist für die Pflanzen einfach angenehmer.
Schnecken
Was mich wirklich überrascht hat, wir haben sehr wenige Schnecken. Über die drei Jahre vielleicht insgesamt 30 Stück, grob geschätzt.
Im Vergleich zu dem, was ich von anderen höre, ist das sehr wenig. Ich glaube, das liegt auch daran, dass hier nicht ständig feuchtes, gammeliges Material rumliegt.
Mein Fazit nach drei Jahren
Ich bin sehr froh, dass wir das so machen. Weniger Maschinen, weniger schwere Arbeit, kein Fräsen, kein Pflügen.
Stattdessen Kompost, Schubkarre, Schaufel und Harke. Und vor allem bleibt der Boden in seiner Struktur erhalten.
Wenn du überlegst, so einen Garten anzulegen, probier es einfach aus. Man muss nicht alles perfekt machen. Vieles wächst sowieso, wenn man es lässt.
Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Freude in deinem Garten. 🌱
