Er begegnete nach seinem Tod zuerst seiner eigenen Angst (Jenseitskontakt)

Vor ungefähr 20 Jahren hatte ein Freund von mir einen tödlichen Motorradunfall. Vor einigen Jahren habe ich ihn wiedergetroffen. Denn niemand stirbt wirklich – und ich kann so genannte Verstorbene wahrnehmen.

Seitdem begegnen wir uns immer wieder. Er hat mich gebeten, einen Teil seiner Lebensgeschichte zu erzählen. Das, was nach dem Unfall geschah. Er erzählt und zeigt es mir – und ich erzähle es dann euch. Aus der Ich-Perspektive; denn das fällt mir leichter.

Angekommen – aber wo?

So richtig verstanden, dass ich gestorben bin, habe ich erst gar nicht.

Ich war damals innerlich aufgewühlt. Schnell, laut, doll – es hat in mir gewütet. Das habe ich damals so nicht gesehen. Rückblickend ist es klar.

Und genau das hat wohl die Umgebung geformt, in der ich nach dem Unfall ankam. Es war rau. Dunkel. Viel Aggressivität von außen. Nicht das Düsterste, was es gibt – aber intensiv. Und ich habe da einfach mitgemacht, weil ich das kannte. Aus meiner Jugend. Aus meinem Leben.

Ich war in einer Umgebung gelandet, die meinem Innenleben entsprach. Das klingt seltsam. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr ergibt es Sinn. Was in uns trägt, prägt auch, wo wir landen. Und ich hatte viel getragen – ohne es je wirklich anzuschauen.

Irgendwann wurde es nur noch nervig. Dieses ständige Gerangel. Dieses Abhalten, Abwehren, Dagegen-Stemmen. Ich hatte das aus meinem Erdenleben gekannt. Ich war es gewohnt. Aber irgendwann – und das war der erste leise Wendepunkt – wollte ich es einfach nicht mehr.

Der wunde Kern hinter der Härte

Ich wusste lange nicht, wie ich da rauskomme.

Bis ich irgendwann gemerkt habe: Ich habe Angst. Nicht die laute, aggressive Angst – sondern die stille, die darunter liegt. Die Angst, verletzt zu werden. Die Angst, meinen eigenen Kern zu zeigen.

Das war neu für mich. Komplett neu.

Ich hatte immer dafür gesorgt, dass andere Respekt vor mir haben. Dass niemand an mich rankommt. Nach außen hin war ich nicht immer laut – aber meine Ausstrahlung hat dafür gesorgt, dass mich nicht jeder einfach so anmacht. Das funktioniert. Eine Zeit lang.

Und jetzt, in dieser Umgebung, merkte ich plötzlich: Das war keine Stärke. Das war Schutz. Ein Panzer, der sich über Jahrzehnte geformt hatte – Schicht für Schicht, Erfahrung für Erfahrung.

Darunter lag etwas ganz anderes. Etwas, das ich so lange nicht anschauen wollte, dass ich vergessen hatte, dass es überhaupt da ist.

Mit dem Erkennen dieser Angst kam ganz langsam etwas anderes. Ein inneres Licht, würde ich es nennen. Schwer zu beschreiben. Keine Erscheinung, keine Stimme – eher ein Gefühl von: Hier ist etwas, das nicht gegen dich ist. Und dann Menschen – oder was auch immer – die mir die Hand gereicht haben. Ich war misstrauisch. Natürlich. Eine ausgestreckte Hand bedeutete für mich lange: Vorsicht. Aber es wurde heller. Innen und außen. Stück für Stück. Sehr langsam. Aber spürbar.

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Vertrauen – ein fremdes Wort

Vertrauen kannte ich eigentlich kaum. Vielleicht in kurzen Momenten des Verliebtseins – aber dann kamen meine alten Muster zurück, und ich habe Menschen wehgetan, ohne es wirklich zu begreifen.

Das tut mir leid. Wirklich. Ich habe damals so sehr meinen eigenen Kern schützen müssen, dass ich gar nicht wahrnehmen konnte, was ich damit angerichtet habe. Nicht aus Böswilligkeit. Sondern weil ich schlicht keinen Zugang dazu hatte. Weil der Weg nach innen so lange versperrt war, dass ich ihn irgendwann nicht mehr gesucht habe.

Je mehr ich mich entspannen konnte – je mehr dieses innere Licht Raum bekam – desto klarer wurde das alles. Nicht auf einmal. Eher wie wenn sich Nebel langsam hebt. Du siehst nicht plötzlich alles. Aber du siehst immer mehr.

Und mit diesem Entspannen kam etwas zurück, das ich immer gemocht hatte: das Gestalten. Das Bauen. Tätigsein. Nicht aus Pflicht – sondern weil es mich erfüllt. Das gibt es auch hier, wo ich jetzt bin. Weite. Frische Luft. Tiere. Und ja – einen Pferdestall bauen. Das klingt vielleicht seltsam. Aber es ist das Normalste der Welt.

Ich bin nicht der Typ, der auf der Wiese liegt und einfach ist. Das kann ich manchmal. Aber ich brauche Bewegung. Ich brauche Gestaltung. Ich brauche das Gefühl, dass ich etwas anpacke und es entsteht. Das ist geblieben. Und es ist schön, das hier wieder leben zu können – ohne den Druck, den ich damals immer gespürt habe.

Was ich dir mitgeben möchte

Du musst keinen tödlichen Unfall haben, um dich dir selbst zuzuwenden.

Wenn du jemanden kennst – oder selbst jemand bist – der viel Härte nach außen trägt: Darunter liegt meistens ein verletzter Teil. Einer, der Schutz braucht. Einer, der sich nicht zeigen darf, weil er das so nie gelernt hat oder weil die Umgebung es nicht zugelassen hat.

Dem kannst du dich zuwenden. Jetzt. Da wo du bist.

Das ist keine große Aktion. Kein Programm. Kein Kurs, den du buchen musst. Eher ein leises Hinschauen. Ein ehrliches Bemerken: Was steckt hinter dieser Anspannung? Was steckt hinter dieser Gereiztheit, diesem Drang, dich zu schützen?

Vielleicht ist es Erschöpfung. Vielleicht ist es alte Scham. Vielleicht ist es eine Traurigkeit, die so lange keinen Platz hatte, dass sie sich in etwas anderes verwandelt hat.

Was auch immer es ist – es will nicht bekämpft werden. Es will wahrgenommen werden.

Das ist ein riesiger Unterschied.

Begleitung bei deinen Themen

Wenn dich diese Themen berühren und du dir Begleitung auf deinem eigenen Weg wünschst, kannst du dich gern bei mir melden. Ich unterstütze Menschen dabei, wieder in Verbindung mit sich selbst zu kommen und ihren eigenen inneren Weg klarer zu sehen.

Todesangst und was dahinter liegt

Es gibt noch etwas, das ich erzählen möchte. Etwas, das vielleicht den meisten fremd klingt – aber mir wichtig ist.

Ich hatte immer Todesangst. Das ist mir erst hier klar geworden. Diese unterschwellige Spannung, die das Leben durchzieht – dieses Wissen, dass alles enden könnte. Für manche wird daraus Vorsicht. Bei mir wurde daraus Kontrolle. Dominanz. Das Gefühl, ich muss stark sein, damit mir nichts passiert.

Und dann bin ich durch dieses Tor gegangen. Unfreiwillig, abrupt – ein Motorrad, eine Sekunde, und dann eine ganz andere Umgebung.

Und die Todesangst? Die war plötzlich gegenstandslos. Nicht weil alles wunderschön war. Sondern weil ich gemerkt habe: Ich bin noch. Das, was ich bin, ist noch da.

Das verändert etwas. Tief.

Und ich glaube, man muss nicht sterben, um das zu spüren. Man kann sich diesem Thema nähern. Neugierig. Offen. Ohne es zu verherrlichen oder zu fürchten. Denn die Energie, die wir ins Vermeiden dieser Frage stecken, ist enorm. Und wenn sie frei wird – wenn die Todesangst ein bisschen kleiner wird – entsteht Raum für etwas anderes.

Für das Leben selbst.

Ein nächster Schritt – mit Freude und Hosen voll

Ich stehe gerade vor einer Veränderung. Die Möglichkeit, wieder in die dichte, lebendige Welt einzutauchen – in einen dichteren Körper.

Ich freue mich. Und ich habe Angst. Beides ist riesig.

Weil ich den Schmerz des letzten Lebens noch kenne. Die Enge. Die Anspannung. Das Nicht-zeigen-Können. Und weil ich weiß, was es bedeutet, sich zu schließen statt zu öffnen – und wie lange das dauern kann, bis sich das wieder löst.

Aber ich habe auch gelernt, was möglich ist, wenn man sich dem zuwendet, was wehtut – anstatt davor wegzulaufen. Wenn man die ausgestreckte Hand irgendwann annimmt. Wenn man merkt, dass Verletzlichkeit keine Schwäche ist, sondern der einzige echte Weg nach innen.

Vielleicht sehe ich den einen oder anderen wieder. Vielleicht begegnen wir uns neu, ohne es zu wissen. Vielleicht trägt das, was ich hier erzählt habe, irgendwie weiter.

Niemand stirbt wirklich. Niemand löst sich auf. Ich erinnere mich an fast alles. Ich hänge nur nicht mehr so daran.

Und ich wünsche dir – da wo du bist – viel Freude auf deinem Weg.

Hinweis:
Zum Zeitpunkt der Aufnahme des Videos und dem Schreiben dieses Beitrags entfaltet sich meine Medialität erst. Ich erhebe keinen Anspruch auf Beweiskraft oder absolute Richtigkeit.
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