Vor ungefähr 20 Jahren ist ein Bekannter von mir tödlich verunglückt. Ich hatte in den letzten Jahren immer mal wieder Kontakt zu ihm. Ich kann Verstorbene wahrnehmen, mich mit ihnen austauschen. Heutzutage verwenden wir in diesem Zusammenhang den Begriff „Medialität“.
Er hat mich gebeten, einen Teil seiner Lebensgeschichte zu erzählen. Das, was nach dem Unfall geschah. Er erzählt und zeigt es mir – und ich erzähle und schreibe es dann euch. Aus der Ich-Perspektive; denn das fällt mir einfacher.
Da ist ein Moment, in dem alles kippt.
Eben noch auf dem Fahrrad, unterwegs nach Hause –
und im nächsten Augenblick wird alles anders.
Mein Körper.
Meine Bewegung.
Das, was eben noch selbstverständlich war.
Und da ist etwas, das sich ungewohnt anfühlt:
Frieden.
Ein tiefer, stiller Frieden.
Und gleichzeitig Verwirrung.
Ich weiß nicht, was passiert.
Ich weiß nur: Ich wollte doch nach Hause.
Ich kann nicht mehr zurück
Mit der Zeit wird aus diesem Gefühl etwas Klareres.
Nicht als Gedanke – eher als spürbare Richtung.
Ich entferne mich.
Von dem Ort, an dem ich eben noch war.
Von meinem – Leben?
Und dann kommt dieser Moment:
Ich kann nicht mehr zurück.
Zu meiner Frau.
Zu meinen Kindern.
Da ist Schmerz.
Ein inneres Ziehen.
Wie ein Zerreißen zwischen zwei Richtungen.
Ein Teil will bleiben.
Ein anderer will weitergehen.
Und dazwischen:
Schuldgefühle, Fragen, Nicht-Verstehen.
Ein Ort zwischen fremd und vertraut
Ich bewege mich weiter.
Oder werde bewegt.
Da ist Licht.
Da sind andere.
Begegnungen entstehen, die sich vertraut anfühlen,
ohne dass ich sie erklären kann.
Es ist ruhig dort.
Weit.
Offen.
Und gleichzeitig bleibt etwas:
das Vermissen.
Meine Familie.
Das Leben, das ich gerade noch hatte.
Die kleinen Dinge.
Die Selbstverständlichkeit.
Es ist alles noch da –
aber nicht mehr erreichbar.
Ankommen, ohne zu verstehen
Mit der Zeit verändert sich etwas.
Der Widerstand wird leiser.
Die Bewegung ruhiger.
Ich beginne, mich einzulassen –
auf das, was ist.
Es entsteht so etwas wie ein neues Zuhause.
Nicht als Ersatz.
Nicht anstelle von dem, was war.
Sondern an-schließend.
Mit Erinnerungen.
Ich begegne anderen.
Manchmal sprechen wir.
Manchmal geschieht alles ohne Worte.
Ein Verstehen, das eher wie ein Fließen ist.
Verbindung jenseits von Worten
Es fühlt sich an, als würde etwas in mir aufgehen.
Als würde ich mich erinnern –
nicht mit dem Kopf, sondern von innen.
Ich beginne zu spüren,
dass Verbindung nicht aufhört.
Dass sie sich verändert.
Dass sie vielleicht sogar intensiver werden kann,
wenn man aufhört, sie festhalten zu wollen.
Und doch bleibt das Vermissen.
Nicht mehr so scharf,
aber spürbar.
Mein Wunsch, mich mitzuteilen
Und dann entsteht etwas Neues.
Ein Wunsch.
Mich mitzuteilen.
Etwas von hier nach dort zu bringen.
Nicht als Erklärung.
Nicht als Beweis.
Sondern als Bewegung.
Als Impuls.
Vielleicht, um Verbindung spürbar zu machen.
Vielleicht auch einfach, weil dieser Wunsch da ist.
Ich beginne zu verstehen,
dass dieser Wunsch nicht nur meiner ist.
Dass es auch andere gibt,
die sich ausdrücken wollen.
Die gesehen werden wollen.
Gehört werden wollen.
Was bleibt
Ich vermisse.
Ich erinnere.
Und gleichzeitig wird es ruhiger in mir.
Ich halte nicht mehr fest.
Und genau darin entsteht etwas anderes:
eine neue Form von – Liebe.
Vielleicht geht es nicht darum, alles zu verstehen.
Vielleicht geht es nicht darum, gleich Antworten zu finden.
Sondern darum,
sich hinein zu bewegen.
In das, was Jetzt ist.
Und vielleicht auch in eine Welt.
Begleitung bei deinen Themen
Wenn dich diese Themen berühren und du dir Begleitung auf deinem eigenen Weg wünschst, kannst du dich gern bei mir melden. Ich unterstütze Menschen dabei, wieder in Verbindung mit sich selbst zu kommen und ihren eigenen inneren Weg klarer zu sehen.
Hinweis:
Zum Zeitpunkt der Aufnahme des Videos und dem Schreiben dieses Beitrags entfaltet sich meine Medialität erst. Ich erhebe keinen Anspruch auf Beweiskraft oder absolute Richtigkeit.
Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte können Namen, Orte oder Details verändert sein.