Im Sommer des vergangenen Jahres ist etwas passiert, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte. Innerhalb weniger Wochen begann sich mein Blick auf mein bisheriges Leben zu verändern. Nicht, weil ich eine große Entscheidung getroffen oder mir vorgenommen hätte, ein anderer Mensch zu werden. Es begann mit einer Schaufel, einem Haufen verrottetem Mist und dem Gefühl, dass sich plötzlich etwas in meinem Körper entspannte.
Ich bewirtschafte gemeinsam mit meiner Freundin einen Gemüsegarten. Vieles machen wir mit der Hand. An diesem Tag stand ich dort und schaufelte schweren, verrotteten Mist um. Irgendwann nahm ich die Schaufel einfach anders herum in die Hand: nicht wie gewohnt mit der rechten Hand führend, sondern mit der linken.
Und plötzlich wurde etwas leicht.
Die Verspannungen auf meiner rechten Seite, die mich auf unterschiedliche Weise schon viele Jahre begleitet hatten, waren in diesem Moment wie verschwunden. Ich weiß noch, wie überrascht ich war. Was war da los? Warum fühlte sich diese Bewegung plötzlich so selbstverständlich und angenehm an?
Damals wusste ich noch nicht, dass mich diese Frage zu einem Begriff führen würde, den ich bis dahin überhaupt nicht kannte: umgeschulter Linkshänder.
Was ist ein umgeschulter Linkshänder?
Als umgeschulter Linkshänder wird ein Mensch bezeichnet, der ursprünglich eine natürliche Bevorzugung der linken Hand hatte, als Kind aber dazu angehalten oder gezwungen wurde, wichtige Tätigkeiten mit der rechten Hand auszuführen. Besonders häufig betraf das früher das Schreiben. Kinder, die von sich aus mit links schreiben wollten, sollten lernen, den Stift in die rechte Hand zu nehmen.
Das ist heute glücklicherweise deutlich seltener als früher. Lange Zeit war Linkshändigkeit jedoch mit vielen Vorurteilen verbunden. Die rechte Hand galt als die „richtige“, während die linke Hand angepasst werden sollte. Manche Kinder wurden ausdrücklich zum Schreiben mit rechts angehalten, andere erlebten eher ein ständiges Korrigieren oder Umlenken. Auch Eltern und Lehrer handelten dabei oft aus den Überzeugungen ihrer Zeit und nicht in dem Bewusstsein, einem Kind schaden zu wollen.
Bei mir war es offenbar ähnlich. Nachdem ich dieses Erlebnis mit der Schaufel hatte, nahm ich zu Hause eine Gitarre und drehte sie einfach um. Ich spielte sie mit der linken Hand führend. Die Saiten waren natürlich nicht dafür angeordnet, die Töne passten nicht wirklich zusammen und ich konnte ohnehin nur ein wenig Gitarre spielen. Trotzdem löste allein dieses andere Halten etwas in mir aus.
Ich fand den Klang plötzlich wunderschön.
Es war nicht die Musik, die objektiv besonders schön gewesen wäre. Es war etwas anderes. Eine tiefe körperliche und innere Reaktion auf etwas, das sich plötzlich anders und gleichzeitig erstaunlich richtig anfühlte.
Also rief ich meinen Vater an und fragte ihn, ob es früher bei mir irgendeine Geschichte mit Linkshändigkeit gegeben habe. Seine Antwort kam ohne langes Nachdenken: Ja. Es habe damals Probleme gegeben, und man habe mir geraten, alles mit rechts zu machen.
Wie ich erfuhr, dass ich ein umgeschulter Linkshänder bin
Diese Antwort öffnete etwas in mir. In den folgenden Tagen ließ mich die Frage nicht mehr los. Ich konnte mich selbst kaum an konkrete Situationen aus meiner Kindheit erinnern. Aber ich hatte plötzlich das Gefühl, dass da etwas Wichtiges war, das ich mein ganzes Leben übersehen hatte.
Irgendwann gab ich den Begriff „Plötzlich Linkshänder“ in eine Suchmaschine ein und stieß auf „umgeschulter Linkshänder“.
Ich hatte diesen Begriff vorher noch nie gehört. Und plötzlich ergab vieles einen neuen Zusammenhang. Ich las Berichte von anderen Menschen, beschäftigte mich mit dem Thema und bestellte Bücher. Natürlich ist jeder Lebensweg anders, und nicht alles, was ich bei anderen umgeschulten Linkshändern gelesen habe, musste auf mich zutreffen. Aber in vielen dieser Geschichten erkannte ich etwas wieder.
Dieses innere Rödeln. Das Gefühl, ständig etwas leisten oder sich beweisen zu müssen. Eine große innere Anspannung. Das Gefühl, nicht richtig bei sich zu sein.
Vielleicht war gerade das für mich so berührend: Ich hatte mein ganzes Leben gedacht, ich sei einfach so. Kontrolliert. Angespannt. Immer auf der Suche. Immer irgendwie unterwegs. Und plötzlich stand die Frage im Raum, ob ein Teil meines Lebens vielleicht auch damit zu tun hatte, dass ich sehr früh gelernt hatte, eine natürliche Seite von mir umzulenken.
Was bedeutet Rückschulung bei einem umgeschulten Linkshänder?
Als Rückschulung wird der Versuch bezeichnet, die ursprünglich bevorzugte Hand wieder stärker in Tätigkeiten einzubeziehen. Bei einem umgeschulten Linkshänder bedeutet das häufig, nach vielen Jahren oder Jahrzehnten wieder mit der linken Hand schreiben, malen oder andere Bewegungen auszuführen.
Das klingt zunächst vielleicht einfach. Man nimmt den Stift in die andere Hand und übt. Für mich war es das aber nicht. Ich hatte über vierzig Jahre lang mit rechts geschrieben und viele Bewegungen automatisiert. Deshalb wollte ich aus der Rückschulung kein neues Projekt machen, bei dem ich mich wieder unter Druck setze. Ich wollte nicht die rechte Hand nun mit aller Gewalt durch die linke ersetzen.
Stattdessen begann ich vorsichtig. Zuerst nahm ich die Wachsmalstifte unserer Kinder und fing an zu malen. Das war grob und ungelenk. Aber gleichzeitig passierte etwas, das mich sehr berührte: Ich hatte plötzlich Freude am Malen selbst. Nicht am Ergebnis. Nicht daran, ob das Bild gut aussah. Am Tun.
Ich hatte das Gefühl, mich beim Malen wieder zu spüren. Vielleicht klingt das für jemanden, der es nicht erlebt hat, zunächst merkwürdig. Aber für mich war es eine tiefe Erfahrung. Etwas zu tun, weil das Tun selbst Freude macht, war mir viel fremder, als ich vorher gedacht hatte.
Rückschulung heißt für mich nicht, sich wieder zu zwingen
Nach dem Malen begann ich langsam, mit links zu schreiben. Erst einzelne Buchstaben und Wörter, dann kurze Sätze. Später halbe Seiten. Bis heute lasse ich mir dabei Zeit.
Ich habe mir auch Werkzeuge gekauft, die für Linkshänder gemacht sind. Einen Linkshänder-Füller, später andere Dinge, bei denen ich merkte, dass sie sich in der linken Hand anders anfühlen. Manche Werkzeuge sind symmetrisch und funktionieren für beide Hände gleich gut. Andere sind tatsächlich auf die Führung mit einer bestimmten Hand ausgelegt.
Das klingt nach einer Kleinigkeit. Für mich war es erstaunlich, wie groß der Unterschied manchmal sein konnte. Wenn etwas in die richtige Richtung zieht, statt gegen die Bewegung zu arbeiten, spürt man das. Nicht nur in der Hand. Bei mir hatte ich oft das Gefühl, dass sich diese kleine Stimmigkeit durch den ganzen Körper fortsetzt.
Und genau hier liegt für mich heute ein wichtiger Punkt: Rückschulung bedeutet nicht, sich nun wieder umzuschulen. Es geht nicht darum, sich zu sagen: Ab morgen mache ich alles nur noch mit links. Ich möchte beobachten. Ausprobieren. Spüren. Und dann langsam schauen, was sich entfalten möchte.
Welche Auswirkungen kann eine Umschulung haben?
Über die möglichen Folgen einer Umschulung der Händigkeit wird seit vielen Jahren diskutiert und geforscht. Menschen, die umgeschult wurden, berichten sehr unterschiedlich über ihre Erfahrungen. Manche erinnern sich an große Schwierigkeiten beim Schreibenlernen, andere an innere Anspannung, Konzentrationsprobleme oder das Gefühl, bestimmte Tätigkeiten nicht wirklich selbstverständlich ausführen zu können.
Meiner Erfahrung nach kann jede Schwierigkeit im Leben eines Menschen von der umgeschulten Händigkeit eingefärbt sein und damit zusammenhängen. Die gesamte eigene Wahrnehmung hängt damit zusammen. Menschen sind komplex. Unser Leben wird von unserer Familie, unseren Erfahrungen, unserer Persönlichkeit und unzähligen anderen Dingen geprägt. Wenn da von klein auf ein „Nein, so wie es natürlicherweise aus dir herauskommt, ist es falsch.“ kommt, macht das etwas mit einem. Alles wird zukünftig durch diese Brille gefiltert.
Denn die Händigkeit ist nicht einfach nur eine Angewohnheit. Die Frage, welche Hand wir bevorzugt einsetzen, ist mit unseren ursprünglichsten Impulsen und körperlichen Organisation und der Art verbunden, wie wir Bewegungen koordinieren. Wie stark und auf welche Weise, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.
Bei mir hat die Entdeckung meiner Linkshändigkeit jedenfalls viele Fragen an mein bisheriges Leben ausgelöst. Ich begann, meine langjährigen körperlichen Spannungen neu zu betrachten. Schon als Jugendlicher hatte ich beim Joggen Probleme mit der rechten Wade. Später hatte ich über mehrere Jahre starke Schmerzen im rechten Knie. Auch meine rechte Hüfte und die rechte Körperseite beschäftigten mich immer wieder.
Ich konnte nicht mehr übersehen, dass sich mein Körper beim Führen der Schaufel mit links plötzlich anders anfühlte. Entspannter. Freier. Als hätte er auf etwas gewartet.
Ich war stolz darauf, Rechtshänder zu sein
Das Verrückte ist: Ich hatte nie gedacht, dass ich Linkshänder sein könnte. Ich war sogar stolz darauf, Rechtshänder zu sein. Linkshändigkeit spielte in meinem Selbstbild praktisch keine Rolle. Ich kannte natürlich einzelne Linkshänder, aber ich hatte nie einen Bezug zu diesem Thema. Rückblickend frage ich mich manchmal, ob gerade darin etwas sichtbar wird: Wie vollständig eine frühe Anpassung irgendwann Teil der eigenen Identität werden kann.
Wenn man etwas nur lange genug so macht, fühlt es sich irgendwann selbstverständlich an. Auch dann, wenn es ursprünglich vielleicht einmal anders war. Das beschäftigt mich bis heute weit über die Händigkeit hinaus. Wie vieles in unserem Leben halten wir für unser Wesen, obwohl wir es irgendwann gelernt haben? Wie vieles tun wir, weil es wirklich aus uns kommt? Und wie vieles, weil wir sehr früh verstanden haben, dass wir so sein sollen?
Für mich wurde die Entdeckung meiner Linkshändigkeit deshalb zu etwas Größerem als einer Frage danach, mit welcher Hand ich einen Stift halte. Sie wurde zu einer Frage danach, wer ich eigentlich bin.
Warum sich mein Leben plötzlich „auf links“ zog
Die ersten Wochen nach dieser Entdeckung waren intensiv. Ich hatte das Gefühl, dass mein Leben sich innerhalb kurzer Zeit „auf links“ zog. Dinge, die vorher getrennt voneinander erschienen waren, begannen plötzlich, miteinander in Verbindung zu kommen.
Ich entdeckte das Tanzen wieder und bemerkte, wie stark ich gewohnt war, mit meiner rechten Seite zu führen. Wenn ich mit der linken Hüfte führte, fühlte sich die Bewegung plötzlich weicher und angenehmer an. Ich begann, mehr auf meinen Körper zu achten. Ich bemerkte, wie stark ich bisher kontrollieren wollte. Und ich entdeckte langsam wieder etwas, das in meinem Leben lange wenig Raum gehabt hatte: Freude ohne Zweck.
Ich glaube, das war für mich eine der tiefsten Veränderungen. Ich hatte vieles getan, um etwas zu erreichen. Um ein Ergebnis zu bekommen. Um etwas richtig zu machen. Um zu funktionieren.
Plötzlich begann ich, Dinge einfach zu tun und zu spüren, dass sie schön sind. Nicht, weil sie mich irgendwohin bringen. Sondern weil ich dabei bin.
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Von der Kontrolle zum Entfalten
Natürlich verschwinden alte Muster nicht einfach innerhalb weniger Wochen. Ich habe jahrzehntelang mit bestimmten Bewegungen, Gewohnheiten und inneren Strategien gelebt. Auch heute bemerke ich immer wieder, wie schnell ich wieder etwas optimieren möchte.
Dann könnte ich mir sagen: Jetzt musst du endlich alles mit links machen. Jetzt musst du das richtig umstellen. Jetzt musst du schneller schreiben lernen. Jetzt muss die linke Seite führen. Aber wäre das nicht wieder dasselbe Muster?
Ich versuche deshalb, einen anderen Weg zu gehen. Wenn ich merke, dass ich wieder mit der rechten Seite führe, nehme ich es wahr. Manchmal probiere ich die andere Seite aus. Manchmal lasse ich es auch einfach. Für mich bedeutet Rückschulung heute vor allem, mir Zeit zu geben. Sich entfalten zu lassen, statt sich wieder in eine Richtung zu zwingen.
Vielleicht ist das für mich sogar die größere Erfahrung hinter meiner Linkshändigkeit: Heilung oder Veränderung müssen nicht immer dadurch entstehen, dass wir uns mit aller Kraft umformen. Manchmal geschieht etwas, wenn wir aufhören, gegen uns selbst zu arbeiten.
Die Rückschulung hat auch meinen Blick auf Gott verändert
Etwas, womit ich anfangs überhaupt nicht gerechnet hatte, war, dass die Rückschulung auch meine Spiritualität berühren würde. Ich hatte lange ein schwieriges Verhältnis zum Begriff Gott. Mit dem traditionellen Bild eines Gottes, der irgendwo außerhalb von uns sitzt, auf uns herabschaut, belohnt und bestraft, konnte ich immer weniger anfangen. Und doch hatte ich genau davor Angst.
Heute verstehe ich Gott anders. Für mich ist Gott nicht etwas, das außerhalb von allem existiert. Ich erlebe eher, dass alles miteinander verbunden ist. Wir sind Teil dieser Welt, der Natur und eines größeren Ganzen. Wenn ich heute von Gott spreche, dann kann ich damit auch das meinen, was alles durchdringt. Liebe. Leben. Das Ganze. Eine Wirklichkeit, die größer ist als das, was ich mit meinem Verstand vollständig erklären kann.
Die Rückschulung hat mir das Gefühl gegeben, wieder durchlässiger für diese Verbindung zu werden. Als wäre in mir etwas weniger eng geworden. Ich möchte daraus keine allgemeingültige Erklärung machen. Aber für mich persönlich gehört beides zusammen: das Zurückfinden zu meiner linken Hand und das Gefühl, wieder stärker mit etwas verbunden zu sein, das ich lange kaum wahrgenommen hatte.
Was ich über meine Eltern gelernt habe
Die Entdeckung, dass ich als Kind zum Gebrauch der rechten Hand angehalten worden war, löste zunächst auch Wut aus. Warum hatte man mir das angetan? Warum hatte niemand verstanden, was das für mich bedeuten könnte?
Ich hatte Gespräche mit meinen Eltern darüber. Und mit der Zeit wurde mir klarer, dass sie in einer anderen Zeit und mit den Überzeugungen gelebt hatten, die damals selbstverständlich waren. Mein Vater sagte im Grunde: Damals haben doch alle mit rechts geschrieben. Warum sollte es bei dir anders sein?
Ich bin Jahrgang 1980. Lange hatte ich selbst gedacht, dass eine Umschulung zu dieser Zeit eigentlich kein Thema mehr gewesen sein dürfte. Doch auch Menschen aus meiner Generation erzählen ähnliche Geschichten. Manche wurden noch ausdrücklich korrigiert, wenn sie mit links schreiben wollten.
Das macht meine Erfahrung nicht ungeschehen. Aber es hat meinen Blick auf meine Eltern verändert. Sie handelten aus dem, was sie für richtig hielten. Heute kann ich darauf zurückschauen, ohne so tun zu müssen, als wäre alles egal gewesen. Ich kann anerkennen, dass etwas mit mir passiert ist, und gleichzeitig sehen, dass meine Eltern nicht aus dem Wunsch heraus gehandelt haben, mir zu schaden.
Und vielleicht liegt auch darin etwas von dem, was ich heute lernen darf: Meine Geschichte anzunehmen, ohne an ihr festzuhalten.
Bin ich nach der Rückschulung wieder einfach Linkshänder?
Diese Frage lässt sich für mich nicht so einfach beantworten. Ich bin über vierzig Jahre lang Rechtshänder gewesen, zumindest in dem Sinn, dass ich mit rechts geschrieben und viele Tätigkeiten mit rechts ausgeführt habe. Diese Bewegungen sind tief automatisiert. Sie verschwinden nicht einfach.
Gleichzeitig merke ich heute an vielen Stellen, dass sich die linke Seite natürlicher anfühlt. Beim Malen. Beim Schreiben. Bei bestimmten Bewegungen. Beim Tanzen. Im Garten. Deshalb würde ich nicht sagen: Jetzt ist alles wieder so wie vor meiner Umschulung.
Ich glaube, ich werde immer auch ein Mensch bleiben, der diese Geschichte erlebt hat. Ein umgeschulter Linkshänder, der sich auf seine ursprüngliche Seite zurückbesinnt und gleichzeitig vier Jahrzehnte mit der anderen Hand gelebt hat. Aber das muss nichts Trauriges sein. Meine Geschichte ist nun einmal meine Geschichte. Und inzwischen empfinde ich sogar viel Dankbarkeit dafür, dass ich sie entdeckt habe.
Wenn du dich fragst, ob du selbst ein umgeschulter Linkshänder bist
Vielleicht liest du diesen Beitrag, weil du selbst manchmal mit links etwas machst und dich fragst, ob da mehr dahinterstecken könnte. Vielleicht hast du als Kind mit links schreiben wollen und weißt, dass du korrigiert wurdest. Oder du hast einfach das Gefühl, dass bestimmte Bewegungen mit der anderen Hand erstaunlich viel natürlicher sind.
Dann kann es sich lohnen, dem Thema nachzugehen. Sprich mit deinen Eltern oder anderen Menschen, die dich als kleines Kind erlebt haben. Schau dir alte Fotos an. Beobachte dich im Alltag. Mit welcher Hand greifst du spontan nach etwas, wenn du nicht darüber nachdenkst? Welche Seite führt bei bestimmten Bewegungen?
Und vor allem: Mach daraus keinen neuen Druck. Du musst nicht beweisen, dass du ursprünglich Linkshänder bist. Du musst dich auch nicht von heute auf morgen umstellen. Wenn dich das Thema berührt, darfst du dich langsam damit beschäftigen. Vielleicht mit einem Stift. Ein paar Strichen auf Papier. Einem Bild. Einer Bewegung. Oder einer Schaufel im Garten.
Meine Rückschulung hat mich zu einem anderen Menschen gemacht
Manchmal werde ich gefragt, ob sich durch die Rückschulung wirklich so viel verändert hat. Ja, alles.
Und gleichzeitig vielleicht nicht so, wie man zunächst denkt. Ich bin nicht über Nacht ein anderer Mensch geworden. Ich habe weiterhin meine alten Muster. Ich kann immer noch kontrollieren wollen. Ich kann mich immer noch anstrengen. Ich kann immer noch zu viel nachdenken.
Aber etwas hat sich verschoben. Ich spüre mich endlich. Ich nehme meinen Körper wahr. Ich kann leichter innehalten. Ich sehe die Blumen öfter. Ich höre die Vögel. Und ich habe das Gefühl, dass das Leben angenehm ist.
Vielleicht ist das für mich die eigentliche Bedeutung dieser Rückschulung. Nicht, dass ich jetzt endlich alles „richtig“ mit links mache. Sondern dass ich gelernt habe, wieder genauer hinzuschauen, bevor ich etwas als selbstverständlich hinnehme.
Vielleicht tragen wir alle Seiten in uns, die irgendwann umgelenkt wurden. Nicht nur die Hand. Vielleicht wurde uns gesagt, wir sollten leiser sein, obwohl wir laut waren. Vernünftiger, obwohl wir wild waren. Angepasster, obwohl wir etwas anderes wollten. Und vielleicht beginnt Veränderung manchmal damit, dass wir uns wieder erlauben, vorsichtig zu dem zurückzugehen, was einmal ganz selbstverständlich aus uns herauskam.
Bei mir begann dieser Weg mit der linken Hand. Und ich bin gespannt, wohin er mich noch führt.
Jenseitskontakte & mediale Begleitung
Wenn du dir Begleitung auf deinem eigenen Weg oder Kontakt mit einem Jenseitigen wünschst, melde dich gerne bei mir. Ich unterstütze Menschen dabei, wieder in Verbindung mit sich selbst und Jenseitigen zu kommen und ihren eigenen inneren Weg klarer zu sehen.